Ritter Kunemund von Stotternheim - Eine Sagengestalt

Wie in den meisten Städten und Dörfern ist es eine Sagengestalt, die als erster namentlich bekannter Einwohner der jeweiligen Ortschaft erwähnt wird und das noch lange vor dem ersten urkundlichen Nachweis. Für unser Stotternheim ist das nicht anders. So ist in der Dorfchronik, die Pfarrer Andreä anlässlich der 150 Jahrfeier der evangelischen Kirche schrieb zu lesen, dass im Jahre 964 Kaiser Otto I. einen Kunemund zum Ritter schlug.

Wenn es diesen Kunemund wirklich gab, wer war er?

Auf jeden Fall von privilegierter Geburt, denn nur wer Geld besaß konnte es sich leisten ein Pferd, Rüstung und Waffen zu kaufen. Bereits sein Vater dürfte Ritter gewesen sein und ließ auch so den Sohn in diesem Sinne erziehen. Dazu gehörte die Ausbildung im Umgang mit Waffen, körperlichen Fähigkeiten, sowie Tanz, Gesang und Musikinstrumente. Es umfasste ein den ganzen Tag ausfüllendes Programm, das sich nur leisten konnte wer Zeit dafür hatte und nicht den Lebensunterhalt mit harter Arbeit verdienen musste.

Möglich, dass die Eltern bereits in der näheren Umgebung von Erfurt wohnten und Kunemund nach der Ritterschlagung mit einer schon in Stotternheim vorhandenen Burganlage gelehnt wurde. Als Ritter und Bewohner einer recht kleinen, unbedeutenden Burg gehörte er dem niederen Adel an.

In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts wuchst das nahe Erfurt zur Stadt heran und gewann an Bedeutung für Handel und Handwerk. Bislang dehnte es sich zwischen Petersberg und Domhügel, auf dem schon die Severi-Kirche stand, bis an die Gera aus, nun wurden die ersten Häuser auch auf der anderen Flussseite gebaut. Häufig erschienen in der Stadt auch prominente Gästen: der Mainzer Erzbischof und die regierenden Könige und Kaiser. Wenn Kunemund wirklich existierte, begegnete er ihnen und besonders Kaiser Otto I.

Zwei Personen, von denen nur eine urkundlich nachweisbar ist: Kaiser Otto I., auch „der Große“ genannt, wurde 912 geboren und starb 973. Anders als seine Amtsvorgänger förderte und beförderte er nicht nur den hohen, sondern auch den niederen Adel. Könnte das ein Beweis sein, dass es Kunemund von Stotternheim wirklich gab oder haben vielleicht nur spätere Angehörige der Familie von Stotternheim aus machtpolitischem Grund nach einem so früher ritterlichen Ahnen gesucht und ihn erfunden? Otto I. begab sich 961 noch als König mit seinem Heer nach Italien und wurde am 2. Februar 962 durch Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser gekrönt. Erst 965 kehrte er von dort zurück. Die sagenumwobene Ritterschlagung des Kunemund im Jahre 964 müsste somit in Italien stattgefunden haben und würde damit seinen Lebenslauf um eine weite gefährliche Reise mit vielen Gefahren, Kämpfen und Eroberungen erweitern. Es wird ein Rätsel der Geschichte bleiben!

Anlässlich der Straßenumbenennungen 2007 wird die Sagengestalt aufgegriffen und ihm zu Ehren ein „Kunemundweg“ zuteil.

K. H.-K.

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14.7.11 13:20

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