Stotternheims ERFINDER

Das Brettin’sche Gut in der Riethgasse war nach dem Siedelhof das zweitgrößte im Dorf. Große Stallanlagen und Scheunen und immer emsiges Treiben von Knechten und Mägden. Ende des 18. Jahrhunderts wurde hier die letzte Generation dieser Familie geboren und dieser Nachkomme machte nicht wie seine Vorfahren durch eine politische Karriere, sondern durch eine bedeutende Erfindung auf sich aufmerksam. Jedoch ist es in diesem Falle wie mit der Erfindung des Porzellans, wobei Böttger in Dresden als der vorrangige Erfinder gilt, obwohl Macheleidt im thüringischen Sitzendorf zeitgleich damit erfolgreich war.
 
Unabhängig voneinander und fast zeitgleich entwickelten Brettin in Stotternheim und der Wedtlenstedter Pfarrer Benjamin Georg Peßler das erste deutsche mechanische Butterfass. Dieses Quirlbutterfass war weniger kraftanstrengend und zeitaufwendig als die bisherigen. In Selbstversuchen und in Proben mit den Gutsmägden entstand in der Riethgasse eine Maschine die einfach und leicht für Frauen zu bedienen war, wenn auch am Ende mit 4 Talern nicht für jeden Haushalt erschwinglich. 
 
Zur Entwicklung griff Brettin auf das Herkömmliche zurück. Er behielt das Holzfass bei, nur verwendete er anstatt des Stampfers einen Quirl mit Kurbel. Heutzutage würde man sagen, die Ansiedlung des Industriezweiges der Butterfassherstellung kurbelt die Wirtschaft des Dorfes an und schafft Arbeitsplätze. So arbeitete Brettin eng mit seinen Mägden und einem ansässigen Böttcher zusammen. Er befragte die Frauen, ließ sie ausprobieren, fertigte Zeichnungen und gab dem Handwerker Anweisungen. Genaustens überwachte er die Ausführungen, war unzufrieden wenn sich seine Vorstellungen nichts sofort erfüllten und freute sich, wenn sich Erfolg zeigte. Noch Jahre später wurden so Butterfässer hergestellt, obwohl er da längst nicht mehr im Dorf lebte.
 
Wer war dieser Erfinder?
Es ist kaum etwas über ihn bekannt. Als Sohn des Carl Ernst von Brettin und dessen Ehefrau Klara Maximiliane Eleonore geb. von Sebottendorff, wuchs er auf dem Rittergut seiner Brettinschen Ahnen auf. Vermutlich ist er der „Georg von Brettin“, der anlässlich seiner Konfirmation nach Sitte des Dorf und zusammen mit den übrigen Konfirmanden Stotternheims 1798 einen Obstbaum pflanzte.
Seine Mutter verstarb 1798 und als im Juli 1805 auch der Vater verstarb, wurde er der junge Herr auf dem Gut. Er widmete sich ganz seinen Erfindungen, doch reich machte es ihn nicht. So verhinderte 1810 Geldmangel den Wiederaufbau des Rittergutes nach einem Brandschaden. Er verkaufte es und zog nach Gispersleben. 1830 ging auch sein Rittergutsanteil in Meyernberg bei Bayreuth durch Konkurs verloren und 1834 nahm er die Anwartschaftsanzahlung, die er auf die Glendenbergschen Ländereien in Stotternheim geleistet hatte zurück, weil er vermutlich keine weiteren Zahlungen leisten konnte. Kinderlos starb er einige Jahre später.
 
Solange seine Butterfässer Verwendung fanden wurde sich an ihn erinnert, aber als die Technik voranschritt und eine neue Erfindung die seinige ablöste, geriet er schnell in Vergessenheit.
 
KHK
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25.7.11 13:19

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