Brandbekämpfung vor 1877

Mein Heimatblattbeitrag in diesem Monat ist unserer Freiwilligen Feuerwehr gewidmet und ihrem Einsatz rund um die Uhr bei jedem Wetter. Wer ehrlich ist muss zugeben, dass die meisten von uns sobald Mitternacht die Sirene ertönt darüber nachdenkt, wo in diesem Moment dringend Hilfe benötigt wird. Bestenfalls schaut man noch neugierig aus dem Fenster und kehrt dann ins warme Bett zurück.
„Früher“ war das anders. Wer da in einem solchen Moment im warmen Bett liegen blieb, musste mit einer Bestrafung rechnen. Jeder Einwohner – Mann und Frau – waren zur Hilfeleistung verpflichtet. Allerdings wäre es auch keinem eingefallen untätig zu bleiben, denn die aus Fachwerk, Lehm und Stroh bestehenden Häuser gerieten schnell in Brand und wie 1791 geschehen, genügten 4 Stunden um ein großes Dorf einzuäschern.
Es ist allgemein bekannt, dass 1877 das Gründungsjahr des Feuerwehrvereins ist, doch was war in den Jahrhunderten davor?
Die Großbrände von 1623, 1688, 1699 und 1791 nach denen Stotternheim immer wieder fast komplett aufgebaut werden musste zeigte den Einwohnern, wie dringend eine gute Ausrüstung gegen solche Gefahren ist. Und da genügte es nicht, dass jeder Hausbesitzer verpflichtet war, stets zur Brandbekämpfung bereit zu sein und Löscheimer und Axt stets greifbar zu haben.
Schon lange vor 1877 war in Stotternheim eine organisierte Feuerbekämpfung vorhanden. Die kleinste Form war der „Feuerläufer“. Von der Gemeinde extra dafür angestellt und bezahlt, musste er im Notfall zu Pferd oder zu Fuß in die benachbarten Dörfer laufen und Hilfe holen. Die größere Form war die teure Anschaffung einer „Feuerkunst“ und eine solche vermochten sich nur große,  finanzkräftige Dörfer leisten, wie auch unser Dorf.
Als im Jahre 1731 der goldene Knopf auf den neuerbauten Kirchturm gesetzt wurde, erhielt er als Inhalt wichtige Informationen zur aktuellen Geschichte des Dorfes: neben den Namen der amtierenden Regenten des öffentlichen Lebens, einem Einwohnerverzeichnis, Preisangaben und allerlei weiterem, auch eine Liste zu gemeindeeigenen Gebäuden mit der Erwähnung eines „Feuer-Kunst-Hauses“. Das ist der Beweis, dass schon zu dieser Zeit neben Feuerhaken und Feuerleitern eine „Feuerkunst“, also Feuerspritze, vorhanden war und es Männer gab, die speziell in der Bedienung dieser damals hochmodernen Technik ausgebildet waren.
Wie kostbar die Feuerspritze war zeigt, dass sie nicht in irgendeiner Bauernscheune untergestellt wurde, sondern ein eigenes Haus besaß. Anspänner, also Pferdebesitzer, waren verpflichtet, sie im Notfall zum Einsatzort zu fahren. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es innerhalb unseres Dorfes drei Feuerlöschteiche: den größten auf dem Karlsplatz und zwei kleinere in der Sackgasse und am Untertor.

 

KHK
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11.1.12 09:53

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